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Wohnen & Immobilien

Immobilien finanzieren – das bieten deutsche Banken und Baufinanzierer

86 Prozent der neu vergebenen Wohnbaukredite in Österreich wurden 2025 mit fixem Zinssatz abgeschlossen, ein neuer Rekordwert, der den alten, weitverbreiteten Ruf Österreichs als Land der variablen Kredite gehörig ins Wanken bringt (OeNB, Stand 2026). Trotzdem bleibt die Immobilienfinanzierung in Deutschland auch für gut informierte Österreicherinnen und Österreicher strukturell etwas grundlegend anderes als eine Finanzierung im Inland, und das beginnt bei der Frage, wer überhaupt einen Kredit bekommt, und reicht bis zur Art, wie die Bank ihre Sicherheit im Grundbuch verankert.

Können Österreicher bei einer deutschen Bank finanzieren?

Grundsätzlich ja, in der Praxis aber mit spürbaren Hürden. Deutsche Banken sind bei Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern ohne deutschen Wohnsitz zurückhaltender, weil ihnen die gewohnte Bonitätsauskunft über die deutsche Schufa fehlt. Für einen Antrag aus Österreich verlangen viele Institute deshalb zusätzliche Unterlagen, etwa weitergehende Bonitätsnachweise, aktuelle Einkommensnachweise und häufig einen höheren Eigenkapitalanteil als bei einheimischen Kundinnen und Kunden. Manche Banken lehnen Anfragen von reinen Steuerausländern von vornherein grundsätzlich ab, andere haben sich auf genau diese Zielgruppe spezialisiert und bieten eigene Beratungswege dafür an. Ein sorgfältiger Vergleich mehrerer unterschiedlicher Anbieter lohnt sich hier ganz besonders, weil die Bereitschaft, an Personen mit Wohnsitz in Österreich zu finanzieren, von Bank zu Bank stark schwankt. Grundsätzlich gilt dabei dieselbe Empfehlung wie bei einer inländischen Finanzierung: mehrere Angebote einholen und vor allem den effektiven Jahreszins vergleichen, nicht nur den beworbenen Sollzins, da erst dieser sämtliche Nebenkosten einrechnet (Arbeiterkammer, Stand 2026).

Was die Bank bei einer Immobilie im Ausland zusätzlich verlangt

Neben der Bonitätsfrage verlangen deutsche Banken bei einem Kreditnehmer im Ausland in der Regel eine gründlichere Objektprüfung, weil eine spätere Zwangsverwertung über die Grenze hinweg aufwendiger ist als bei einem inländischen Kreditnehmer. Praktisch bedeutet das oft einen niedrigeren Beleihungsauslauf, also einen geringeren Anteil des Kaufpreises, der überhaupt fremdfinanziert wird, und dadurch einen höheren nötigen Eigenkapitalanteil. Wer in Österreich bereits über eine Immobilie oder ein bestehendes Bankverhältnis verfügt, kann diese als zusätzliche Sicherheit oder Referenz einbringen, ein Vermögensnachweis ersetzt aber nie die grundsätzliche Bonitätsprüfung. Eine bereits in Österreich gelegene Immobilie lässt sich dabei in aller Regel nicht direkt als zusätzliche Sicherheit im deutschen Grundbuch eintragen, da die beiden Grundbuchsysteme rechtlich getrennt sind, sie kann aber die allgemeine Vermögens- und Bonitätslage gegenüber der finanzierenden Bank glaubhafter machen.

Zinsbindung: zwei unterschiedliche Systeme

In Deutschland ist die Trennung zwischen Zinsbindungsphase und Gesamtlaufzeit historisch fest verankert: Üblich sind Zinsbindungen von 10, 15 oder 20 Jahren, nach deren Ablauf für die restliche Kreditsumme eine komplett neue Anschlussfinanzierung verhandelt wird, zu dann aktuellen Marktkonditionen (Deutsche Bundesbank, Stand 2026). In Österreich gibt es dieses zweistufige Modell in dieser Form nicht: Fixzinsphase und Gesamtlaufzeit werden von Anfang an getrennt festgelegt, nach Ablauf der Fixzinsphase läuft der Kredit einfach zu variablen Konditionen weiter, ohne dass eine neue Kreditverhandlung nötig wird. Historisch bevorzugten österreichische Haushalte dabei häufiger variable Zinssätze als deutsche, dieser Unterschied hat sich zuletzt aber deutlich verschoben: 2025 wurden in Österreich rund neun von zehn neuen Wohnbaukrediten fix verzinst abgeschlossen, weil Haushalte nach den Zinssprüngen der vergangenen Jahre erkennbar Sicherheit vor kurzfristig günstigeren variablen Sätzen bevorzugten (OeNB, Stand 2026).

Eine Beispielrechnung mit aktuellen, aber vereinfachten Werten zeigt, wie sich die unterschiedlichen Systeme finanziell auswirken können: Bei einem Kredit von 200.000 Euro über 15 Jahre kostet eine zehnjährige deutsche Zinsbindung zu rund 3,74 Prozent, gefolgt von fünf Jahren Anschlussfinanzierung zu angenommenen 4,1 Prozent, insgesamt vereinfacht rund 115.800 Euro an Zinsen. Ein vergleichbarer österreichischer Kredit mit zehn Jahren Fixzins zu rund 3,42 Prozent und anschließend fünf Jahren zum aktuellen variablen Satz von rund 3,21 Prozent kommt im selben vereinfachten Modell auf rund 100.500 Euro. Der Unterschied von gut 15.000 Euro in diesem Beispiel hängt stark von der weiteren Zinsentwicklung nach der Fixphase ab und ist deshalb keine verlässliche Prognose, sondern nur eine Momentaufnahme mit den aktuell gültigen Sätzen.

Deutschland (Beispiel)Österreich (Beispiel)
Zinssatz erste 10 Jahre3,74 %3,42 %
Zinssatz Jahre 11 bis 154,1 % (Anschlussfinanzierung)3,21 % (variabel)
Zinskosten gesamt (vereinfacht)115.800 €100.500 €

Bereitstellungszinsen: teuer in beiden Ländern

Wird ein zugesagter Kreditbetrag nicht sofort vollständig abgerufen, etwa weil sich ein Bauvorhaben verzögert, verlangen Banken in beiden Ländern eine zusätzliche Gebühr auf den noch nicht ausbezahlten Teil. In Deutschland sind rund 0,25 Prozent pro Monat auf den nicht abgerufenen Betrag üblich, nach einer meist drei- bis zwölfmonatigen bereitstellungsfreien Zeit. In Österreich werden Bereitstellungszinsen dagegen meist quartalsweise mit 0,25 bis 0,75 Prozent berechnet. Eine Beispielrechnung verdeutlicht die unterschiedliche Berechnungslogik: Bleiben 100.000 Euro drei Monate ungenutzt liegen, fallen nach dem deutschen Modell rund 750 Euro an, nach einem österreichischen Modell mit angenommenen 0,5 Prozent pro Quartal rund 500 Euro. Wichtiger als der Einzelfall ist aber, überhaupt eine ausreichend lange bereitstellungsfreie Zeit zu vereinbaren, unabhängig davon, bei welcher Bank in welchem Land finanziert wird. Gerade bei einem Neubauvorhaben mit mehreren Auszahlungstranchen nach Baufortschritt lohnt es sich, diese Frist schon bei der Kreditverhandlung möglichst lang auszuhandeln, weil Bauverzögerungen in der Praxis eher die Regel als die Ausnahme sind und sich die Kosten sonst unbemerkt über Monate hinweg summieren können.

Grundschuld statt Hypothek: der größte rechtliche Unterschied

Der vielleicht wichtigste strukturelle Unterschied betrifft die Absicherung des Kredits im Grundbuch. Österreich kennt nach dem ABGB nur die Hypothek, ein Sicherungsrecht, das direkt an eine bestimmte Forderung gekoppelt ist und mit deren vollständiger Rückzahlung automatisch erlischt. Deutschland kennt daneben die Grundschuld, ein von der konkreten Forderung losgelöstes, abstraktes Sicherungsrecht, das auch nach vollständiger Tilgung im Grundbuch bestehen bleibt, sofern es nicht eigens gelöscht wird (Commerzbank, Stand 2026). In der Praxis sichern deutsche Banken ihre Darlehen deshalb ganz überwiegend über eine Grundschuld statt über eine Hypothek ab, weil sich derselbe Eintrag später leichter für eine neue Finanzierung wiederverwenden lässt, ohne einen neuen, kostenpflichtigen Grundbucheintrag vornehmen zu müssen. Für Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer aus Österreich bedeutet das ein ungewohntes Konzept: Die Grundschuld bleibt formal bestehen, auch wenn der Kredit längst abbezahlt ist, eine Löschung muss aktiv beantragt werden, was bei einem späteren Verkauf der Immobilie oder einer vollständigen, vorzeitigen Ablöse des Kredits jedenfalls zu beachten und rechtzeitig mit der Bank zu klären ist.

Was das für die Praxis bedeutet

Wer sich für eine deutsche Baufinanzierung entscheidet, sollte von Anfang an mehr Zeit für die Bonitätsprüfung einplanen, mehrere Bankangebote parallel einholen und die eigene KSV1870-Auskunft bereits vor der ersten Anfrage aktuell und griffbereit haben. Die Wahl zwischen Fixzins und variabler Verzinsung sollte unabhängig vom Sitz der Bank getroffen werden, allein nach der eigenen Risikobereitschaft und der aktuellen Zinslage, wie sie auch beim Vergleich zu einem Kredit ohne Schufa in Österreich relevant ist, wo statt der deutschen Schufa ohnehin der KSV1870 die entscheidende Rolle spielt. Wer zusätzlich eine österreichische Finanzierung als Vergleich heranziehen will, findet einen Überblick über die heimischen Konditionen im Beitrag zum Kredit ohne KSV-Abfrage sowie zum Sofortkredit ohne Bonitätsprüfung in Österreich.

Girokonto und Sprache: die praktischen Kleinigkeiten

Neben Bonität und Sicherheiten spielen im Alltag auch scheinbare Kleinigkeiten eine Rolle: Viele deutsche Banken wickeln die laufende Kreditrückzahlung am liebsten über ein deutsches Girokonto per SEPA-Lastschrift ab, ein zusätzliches Konto bei einer deutschen Bank gehört deshalb bei den meisten Finanzierungen faktisch dazu, selbst wenn es von der Bank formal nicht zwingend als Bedingung vorgeschrieben wird. Auch die gesamte Vertragskommunikation läuft auf Deutsch und nach deutschem Vertragsrecht ab, mit Begriffen wie Beleihungsauslauf, Bereitstellungszins oder Grundschuldbestellung, die sich zwar sprachlich ähnlich anhören wie die österreichischen Pendants, rechtlich aber nicht deckungsgleich sind. Wer unsicher ist, sollte sich die zentralen Vertragsbegriffe vor der Unterschrift von einer unabhängigen Stelle erklären lassen, statt sich allein auf die Erklärungen der finanzierenden Bank zu verlassen.

Notartermin und Fernabwicklung

Der Notartermin selbst findet in Deutschland grundsätzlich in Deutschland statt, eine persönliche Anwesenheit ist beim Grundstückskaufvertrag in aller Regel erforderlich. Wer nicht eigens anreisen möchte, kann sich unter bestimmten Voraussetzungen durch eine bevollmächtigte Person vertreten lassen, die Vollmacht selbst muss dafür aber notariell beglaubigt sein, was wiederum einen Termin bei einem österreichischen Notariat oder einer österreichischen Vertretungsbehörde voraussetzt. Dieser zusätzliche Schritt wird bei der Zeitplanung eines grenzüberschreitenden Kaufs häufig unterschätzt und sollte frühzeitig mit dem beauftragten deutschen Notariat abgestimmt werden, damit der gesamte Kaufvertrag am Ende nicht wegen einer fehlenden oder falsch beglaubigten Vollmacht kurzfristig verschoben werden muss.

Fazit: gleiche Grundfragen, andere Antworten

Ob mit fixem oder variablem Zinssatz finanziert wird, welchen Eigenkapitalanteil eine Bank verlangt und wie eine Sicherheit im Grundbuch verankert wird: Diese Fragen stellen sich in Deutschland ebenso wie in Österreich, die Antworten fallen aber unterschiedlich aus. Wer eine deutsche Immobilie über eine deutsche Bank finanzieren will, sollte sich auf einen höheren bürokratischen Aufwand bei der Bonitätsprüfung, ein fremdes Sicherungskonzept über die Grundschuld und eine grundsätzlich andere Logik bei der Zinsbindung einstellen, unabhängig davon, dass sich die tatsächlichen Zinssätze zwischen beiden Ländern inzwischen, jedenfalls auf den ersten Blick, oft nur noch wenig voneinander unterscheiden.

Stand der Angaben: Zinsbindungsstatistik und Fixzinsanteil Österreich nach OeNB, Stand 2026. Zinsbindungsfristen Deutschland nach Deutsche Bundesbank, Stand 2026. Grundschuld und Hypothek nach Commerzbank, Stand 2026. Bonitätsprüfung bei Auslandsfinanzierung nach optifin.at, Stand 2026. Die Beispielrechnungen zu Zinsbindung und Bereitstellungszinsen verwenden aktuelle, teils angenommene Vergleichswerte und sind vereinfacht ohne laufende Tilgungsverrechnung gerechnet.

Quellen