Ein Konto für Arbeitslose – Bankomatkarte und Überziehungsrahmen

Nur wegen der Beendigung einer Beschäftigung erlischt keinesfalls der Bedarf an einem Konto.  Das gilt für eine kurze Periode der Arbeitslosigkeit und ebenso für Langzeitarbeitslose. Auch ohne das Einkommen aus einer regulären Beschäftigungen existieren Bezüge, wie das Arbeitslosengeld oder die Mindestsicherung und Zahlungen, wie Miete oder Strom, müssen über Girokonten angewiesen oder eingezogen werden. Trotz diesem augenscheinlichen Bedarf hatten es Arbeitslose bis zum September 2016 schwer ein Girokonto zu vernünftigen Konditionen zu erhalten.

Arbeitslos mit Girokonto – Die Situation in Österreich vor dem 18. September 2016

Bis zum Verbraucherzahlungskontogesetz (VZKG), welches am besagten Datum in Kraft tritt, bestand in Österreich kein Anrecht auf ein Girokonto. Die Banken konnten Kunden einfach ablehnen. Von solch einer Ablehnung waren laut AK rund 150.000 Österreicher betroffen. Durch die Verwehrung dieses Services begann für die Betroffenen meist eine rasante, finanzielle Abwärtsspirale, denn Rechnungen ohne Konto zu begleichen, ist pro Jahr mindestens 200 Euro teurer als mit Girokonto. Einige Banken hatten sich zwar auf diese Härtefälle spezialisiert, aber auch in diesen Fällen war das Prozedere kompliziert, wie wir anhand der Zweiten Sparkasse aufzeigen werden.

Hinweis: Wenn die regulären Banken die Einrichtung eines Girokontos erlaubten, dann meist nur zu erheblich höheren Kosten. Dieser Umstand begründete die identische, erwähnte Abwärtsspirale.

Die Zweite Sparkasse spezialisierte sich schon seit längerer Zeit auf die sozial Benachteiligten. Dort konnte jeder ein sogenanntes Basiskonto eröffnen. Die Voraussetzung war jedoch eine aktive Zusammenarbeit mit der Caritas oder einer Schuldnerberatung. Durchaus eine Kondition, an die sich nicht immer alle Arbeitslose halten konnten. Darüber hinaus wurde regelmäßig geprüft, erstmals nach drei Jahren, ob diese Konten noch notwendig sind. Treffen die entsprechenden Bedingungen nicht mehr zu, muss das Konto bzw. die Bank gewechselt werden.

Außerdem kostete dieses Angebot 9 Euro pro Quartal. Diesen Einsatz gab es zwar nach Schließung als Kaution zurück, aber es handelte sich während der Laufzeit doch um eine wesentliche Belastung für den Inhaber. Das Konto war zwar gratis, da diese Einlage auch verzinst wurde, aber Arbeitslosen fehlt oft das Geld in dem Moment, in dem sie es brauchen und da hilft ihnen dieses erzwungene Sparen nicht. Ab dem 18. September sieht die Situation dank der EU ganz anders für Arbeitslose aus.

Hinweis: Überweisungsaufträge können ebenfalls bei den anderen Sparkassen und bei der Ersten Bank in den Foyers eingeworfen werden, wenn jemand das Basiskonto der Zweiten Sparkasse besitzt.

arbeitslose-frau

Aktuelle Situation – Das Konto für Arbeitslose

Gemäß den Vorgaben der Richtlinie 2014/92/EU wird nicht nur die Vergleichbarkeit von Konditionen erleichtert, sondern die Banken ebenfalls dazu verpflichtet, allen EU-Bürgern, egal ob Schuldner, Obdachloser oder Arbeitsloser, ein Konto anzubieten. Darüber hinaus dürfen die Finanzinstitute nicht unverhältnismäßige Gebühren für ihr Guthabenkonto verlangen. In Österreich ist die Höchstgrenze sogar auf 40 bzw. 80 Euro pro Jahr festgesetzt.

Hinweis: Selbstverständlich können die Banken nicht dazu gezwungen werden, Kredite zu vergeben. Deshalb handelt es sich beim Basiskonto um ein reines Habenkonto, welches nur dazu dienen soll, zusätzliche Kosten im Zahlungsverkehr zu vermeiden. Menschen in sozialen Notlagen, wie eben Langzeitarbeitslosigkeit, sollen keinesfalls zusätzlich benachteiligt werden. Ein Überziehen bzw. Kontokorrentkredit ist nicht möglich.
Tipp: Beim Konto für Arbeitslose ist eine Bankomatkarte meist kostenlos inkludiert. Eine Kreditkarte ist kein Teil der Angebote.

Wegen dieser Gesetzesänderung ist es kein Problem für Arbeitslose ein Konto zu eröffnen. Leider gehen jedoch viele Betroffene davon aus, dass ein Konto gleichbedeutend mit einem Überziehungsrahmen ist, da sie diesen zusätzlichen Service aus der Vergangenheit gewohnt waren. Für eine Finanzierung bzw. Kreditkarten müssen sich Arbeitslose jedoch weiterhin an passende Kreditgeber wenden. Aber auf den heutigen Finanzmärkten existieren auch Anbieter, die dazu bereit sind. In manchen Fällen ist für solch einen Kredit für Arbeitslose nicht einmal ein Bürge notwendig.

Hinweis: Selbst wenn das Basiskonto für Arbeitslose keinen Rahmen bietet, sollte es genutzt werden, da diese Kontoart im Vergleich zu anderen Bankkonten viel günstiger sein kann und das Fehlen eines Kontos ebenfalls, wie erwähnt, hohe Kosten verursacht. Der Kredit für Arbeitslose ist dann der zweite Schritte.